Van Morrison
Astral Weeks: Live at the Hollywood Bowl
Manhattan-Blue Note / EMI
Dass man nicht unbedingt aus dem amerikanischen Süden kommen
muss, um eine Blueslegende zu sein, zeigt sich an Van Morrison
sehr deutlich. Seine ureigene Melange zwischen Jazz, Folk und
Blues ist ziemlich außerordentlich und eigenständig. Auch sein
Hang zu reichlich abgepfiffenen und schwer interpretierbaren
Texten ist so ein Markenzeichen. Das alles gipfelte 1968 in der
Platte „Astral Weeks“, die gemeinhin auch bei vielen Jüngern
als Meilenstein gilt. Bislang hat der Ire mit seinen bisher
fast 30 Veröffentlichungen diese Platte auch noch nie bei einem
Konzert in voller Länge ausgespielt, im November letzten Jahres
war es in Los Angeles endlich soweit. Vor allem audiophile
Bluesliebhaber werden an der akustisch instrumentierten
Aufnahme ihre helle Freude haben. Standbass, Piano, Violine,
Querflöte und natürlich die Akustikgitarre, alles ist sehr
trocken abgenommen und es stören auch kaum frenetische
Zwischenrufe aus dem Publikum. Wer das Studioalbum dazu
auswendig kann und sich mit „Van The Man“ auskennt, ist
natürlich auf die Versionen der Songs neugierig, da Morrison
bekanntlich nie einen Song gleich aufnimmt. Mit dem letzten
Track („Listen To The Lion“, einer von zwei Bonus-Titeln) ist
dann noch ein Song als Dreingabe dabei, der nicht vom Album
stammt, aber trotzdem gut dazu passt. Fans der amerikanischen
Bluesmusik werden mit seinen gospelhaften Zeilenwiederholungen
und der relativ eindimensionalen Stimme so ihre Probleme haben,
die Fans aus Van Morrisons Anhängerfamilie brauchen über einen
Kauf hingegen natürlich nicht nachdenken, sondern ihn nur
auszuführen. Und schon mal einen leckeren Single Malt zuhause
bereit zu stellen.
EF, 7 von 9 Punkten
